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Nach der Schulzeit - Fragen und Antworten
 
Was passiert mit meinem Kind, wenn es seine Schulzeit beendet hat?  Erwirbt es einen Schulabschluss? Welche beruflichen Möglichkeiten gibt es? Kann es in der Einrichtung verbleiben, oder muss es in eine andere Einrichtung? Diese und andere Fragen werden uns mitunter bereits bei der Aufnahme oder aber im Verlauf der Schulzeit gestellt. So vielfältig die Fragen sind, so unterschiedlich fallen auch die Antworten aus.
 
Eindeutig zu beantworten ist die Frage nach dem Schulabschluss: Nein, einen Schulabschluss kann man an unserem Schultyp nicht erlangen.
 
Der überwiegende Teil unserer Schulabgänger tritt nach der Schulzeit in eine Werkstatt für behinderte Menschen  (WfbM) ein, durchläuft hier den Berufsbildungsbereich und lernt in dieser Zeit das differenzierte Beschäftigungsangebot der Werkstatt kennen. Verbunden mit dem Eintritt in eine WfbM ist immer ein Umzug - entweder in den Erwachsenenwohnbereich unserer Einrichtung, der ein vielfältiges Wohnangebot für die unterschiedlichen, individuellen Betreuungsbedarfe vorhält, oder den Erwachsenenwohnbereich einer anderen Einrichtung. Manche junge Menschen kehren auch vorübergehend, mittelfristig, mitunter längerfristig in den elterlichen Haushalt zurück, besuchen von dort aus eine Werkstatt oder gehen einem anderen Beschäftigungsangebot nach.
 
Ein besonderes Angebot richten wir in Zusammenarbeit mit der Agentur für Arbeit, den Eltern/gesetzlichen Betreuern sowie den jeweiligen Kostenträgern der vollstationären Maßnahme an jene Schulabgänger, deren Entwicklung insgesamt dafür spricht, dass sie eine Ausbildung erfolgreich absolvieren und sich für den ersten Arbeitsmarkt qualifizieren können. Diesen jungen Menschen bieten wir die Möglichkeit, bis zum Ausbildungsende im Internat wohnen zu bleiben, um ihnen unter vertrauten Rahmenbedingungen die Unterstützung in ausbildungsrelevanten Bereichen gewähren zu können, die sie erfahrungsgemäß benötigen.
 

Einige Beispiele

Im Sommer 2006 schloss F. erfolgreich seine Ausbildung zum "Holzbearbeiter" (heute: Fachpraktiker/in für Holzbearbeitung) ab. Nach Ausbildungsende verblieb er noch ein halbes Jahr im Internat. In dieser Zeit absolvierte er ein Praktikum in einer Tischlerei, eine Wohnung wurde gesucht. Nachdem F. einen (befristeten) Arbeitsvertrag erhalten hatte, stürzte er sich in das Abenteuer "weitgehend selbstständiges Leben". Für 18 Monate betreuten wir den jungen Mann noch ambulant in seiner kleinen Wohnung weiter, danach wurde er endgültig in die Selbstständigkeit entlassen.
 
Heute ist F. fest in der Firma angestellt, in die er als Praktikant eingetreten ist. Er wohnt noch immer in seiner kleinen Wohnung, kommt mit seiner Firma viel herum, ist ein anerkannter Mitarbeiter.
 
2009 absolvierte R. ihre Ausbildung zur "Helferin in der Hauswirtschaft" (heute: Fachpraktiker/in für Hauswirtschaft). Auch sie verblieb nach Ausbildungsende noch einige Monate in der Einrichtung, bis eine Arbeitsstelle und eine Wohnung gefunden waren. Unsere ambulante Nachbetreuung war bei R. ebenfalls auf 18 Monate angelegt, aber bereits nach einem Jahr fühlte die junge Dame sich fit genug, um ihren Alltag selbstständig zu bewältigen. R. ist heute bei einem mobilen Sozialdienst angestellt, hat inzwischen ihren Führerschein erworben und ist insgesamt auf einem richtig guten Weg!
 
M. ist der dritte im Bunde, der fest in Lohn und Arbeit steht. Seit 2010 kann er sich "Helfer in der Hauswirtschaft" (heute: Fachpraktiker/in für Hauswirtschaft) nennen, wurde bereits vor Ausbildungsabschluss von einem renommierten Gastronomiebetrieb umworben, bei dem er schließlich ein Kurzpraktikum absolvierte, dann einen befristeten Vertrag erhielt und inzwischen fest angestellt ist. So gut es sich bei M. mit der Arbeit anließ, so schwierig gestaltete sich für ihn der Sprung von der Rund-um-die-Uhr-Betreuung in das selbstständige Wohnen und Leben, sodass 18 Monate ambulanter Betreuung nicht ausreichten. Wir sind jedoch guten Mutes, dass wir uns im Sommer 2013 zurückziehen können.
 
Im Jahr 2012 hat D. seine Ausbildung zum "Beikoch" (heute: Fachpraktiker/in Küche) abgeschlossen und stieg nach Ausbildungsende fast nahtlos als Praktikant in einen Hotelbetrieb in Hodenhagen ein. Bekommt er dort oder woanders einen Arbeitsvertrag, wird auch er in eine eigene Wohnung umziehen und von uns ambulant betreut werden. Wir drücken ihm die Daumen!
 
A. wird voraussichtlich im Sommer 2013 seine Ausbildungung zum "Bau- und Metallmaler" (heute: Fachpraktiker/in für Maler und Lackierer) beenden und M. ihre Ausbildung zur "Helferin im Gastgewerbe" (heute: Fachpraktiker/in im Gastgewerbe) im Sommer 2014.
 
Im September 2012 ist S. in eine berufsvorbereitende Bildungsmaßnahme übernommen worden. Noch ist er nicht sicher, welchen Ausbildungsberuf er im nächsten Jahr ergreifen will. Derzeit liebäugelt er mit der hauswirtschaftlichen Schiene. Es bleibt spannend.
 
Und dann ist da noch D.. Ursprünglich wollte er noch bis Sommer 2013 unsere Schule besuchen. Nachdem er jedoch ein Praktikum in einem Dachdeckerbetrieb - sein Traumberuf ist Dachdecker - absolviert hatte, konnte er sich für die Schule nicht mehr motivieren. Inzwischen hat er sich bei der Agentur für Arbeit einem Eignungstest gestellt. Das Ergebnis bestätigte ihm und uns, dass auch er ein Kandidat für eine Ausbildung ist. Noch wissen wir nicht genau, wie es mit ihm weiter geht, sind aber davon überzeugt, dass auch er seinen Weg gehen, seine Nische finden wird.
 
 
   
 
Festzuhalten ist, dass bisher alle Auszubildenden, die während ihrer Ausbildungszeit im Internat verblieben sind, ihre Ausbildungen erfolgreich abgeschlossen haben. Für die meisten von ihnen, um nicht zu sagen, für alle, war der Weg nicht immer leicht. Neben den Leistungsanforderungen, die sie zu bewältigen hatten, bedurften sie erheblicher Unterstützung, um mit ihrem sozialen Umfeld in den verschiedenen Bildungseinrichtungen (Technische Ausbildungsstätte Soltau, Oskar-Kämmer-Schule in Walsrode, Volkshochschule Heidekreis, verschiedene Berufsschulen) klar zu kommen.  Sie haben sich durchgebissen, und wir gehen davon aus, wenn wir uns unsere derzeitigen Schüler und Schülerinnen so anschauen, dass wir die Liste der Positivbeispiele in den kommenden Jahren fortschreiben können.